Foodsharing in Krefeld

So funktioniert Foodsharing in Krefeld

Wenn Julian Brinke am Freitag gegen zwölf Uhr zum Wochenmarkt am Westwall fährt, macht er das nicht nur, um dort für sich persönlich einkaufen zu gehen. Der Krefelder engagiert sich hier für das internationale Netzwerk „Foodsharing“ als Botschafter. „Von Wochenmärkten, Bäckereien, Reformhäusern und einigen Supermärkten erhalten wir Lebensmittel, die nicht verkauft und von der Tafel nicht abgeholt werden, um sie dann zu verteilen. Wir sind sogenannte Lebensmittelretter “, erklärt Brinke.

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Linda Hanraths Pereira und Julian Brinke

Beim Blick auf die bereits erbeuteten Lebensmittel wird schnell klar, dass „nicht mehr zu verkaufen“, nicht unbedingt auch ungenießbar bedeutet. „Hier haben wir Möhren, die zwar relativ frisch sind, aber das Grünzeug ist eben nicht mehr schön. Die will dann niemand kaufen“, sagt der Lebensmittelretter.

Immer mehr Krefelder treten der Organisation bei

Seit fünf Monaten gibt es die Initiative in Krefeld. Mittlerweile gehören 50 Mitglieder zu dem Netzwerk, dem sich zukünftig auch Leute aus Meerbusch anschließen werden. In der dazugehörigen Facebook-Gruppe können Privatpersonen ihre Lebensmittel mit anderen teilen. Manche haben zu viel eingekauft, gekocht oder es schmeckt ihnen einfach nicht. Anstatt die Sachen wegzuwerfen, werden sie über die Facebook-Gruppe verschenkt.

Was an so einem Freitag auf dem Wochenmarkt an Lebensmitteln zusammenkommt, erklärt Julian Brinke: „Wir bewegen uns immer in einem Rahmen von 100 bis 150 Kilo. Das variiert aber natürlich, besonders je nach Wetterlage.“

Nach dem Einsammeln der Ware geht es zum „Fairteiler“ an der Fachhochschule Niederrhein. Hier wurde ein Schrank eingerichtet, an dem sich Studenten und Angehörige der Universität unentgeltlich bedienen können. Darüber hinaus gibt es ein lokales Netzwerk, welches die Verteilung der Lebensmittel regelt. „Wenn etwas übrig bleibt, oder wir zu viel haben, geben wir die Dinge an die Dionysiuskirche weiter“, sagt Brinke.

Ein Wocheneinkauf kostet nicht mehr 150 Euro, sondern zwischen 0 und 50 Euro.“

Wir dürfen uns natürlich auch selbst etwas von den Lebensmitteln mitnehmen. Das ist dann Genug für den Eigenbedarf und das direkte Umfeld, aber eben nur soviel, dass nichts weggeschmissen wird“, erzählt Nina Ilina, die dem Krefelder Foodsharing-Botschafter gemeinsam mit einer Freundin unter die Arme greift. Dadurch ist das Retten von Lebensmitteln auch finanziell gesehen eine gute Tat: „Ein Wocheneinkauf kostet nicht mehr 150 Euro, sondern zwischen 0 bis 50 Euro“, sagt Brinke, der Vater einer fünfköpfigen Familie ist.

Die Verantwortung für die Ware übernehmen die Foodsharer selbst. Besonders wichtig ist die Kühlkette bei Molkereiprodukten oder Fleischwaren. So müssen Interessenten sich auf der offiziellen Website anmelden, das Regelwerk der Organisation studieren und anschließend einen Test absolvieren: „Danach nehmen wir die Leute zwei- bis dreimal zu Märkten mit. Das gilt dann als Einführung. Nachdem man die Regeln unterschrieben hat, wird ein Mitgliederausweis ausgestellt“, schildert Brinke.

Zum Lebensmittelsammeln würde sich eine Gruppe von zwei bis drei Personen treffen, da sei Harmonie und ein gutes Miteinander besonders wichtig, betont Helferin Nina Ilina.

Bald soll der Alltag der Lebensmittelretter durch einen kleinen Helfer erleichtert werden – bei einer Verlosung der Foodsharing Website belegten die Krefelder den ersten Platz und können sich zukünftig über einen Elektro-Anhänger im Wert von 4000 Euro freuen.

Quelle: Westdeutsche Zeitung

© Rudi Geiss

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