Meine Meinung zum IC

 

Fitness-Studios brauchen mehr Trainer und keine Entertainer auf dem Bike.

Was macht Indoor Cycling (IC) eigentlich so attraktiv? Seine Einfachheit, JEDER kann es. Es gibt gerade einmal drei oder vier verschiedene Griffpositionen, die im Sitzen oder Stehen gefahren werden. Dazu noch ein wenig treten, das ist schon alles. Aber auch nur fast! Denn die optimale Einstellung des Rades und die Techniken des Cyclings sollten erlernt und beachtet werden, damit ein ergonomisches und gutes Fahrgefühl aufkommt.

IC ist leicht zu erlernen und die Fitnesssportart mit dem am schnellsten messbare Erfolge erzielt werden. Wegen dieser Leichtigkeit und dem schnellen Erfolg, wird IC allerdings oft unterschätzt. Viele halten es sogar für eine zweitklassige Fitness-Sportart. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, weshalb an Instruktoren oft auch nur geringe Anforderungen seitens des Studios gestellt werden. Frei nach dem Motto „Radfahren kann doch jeder“ Deshalb interessieren sich auch wenige Instruktoren dafür, über das notwendige Knowhow zu verfügen.

Viele Studios verlangen gar keine spezielle IC Ausbildung von ihren Trainern, oder sie verzichten auf regelmäßige Weiterbildung. Leider wissen viele Instruktoren weder wie ein Bike optimal eingestellt wird, noch welche Techniken und Positionen es gibt die nicht die Gelenke der Teilnehmer belasten, geschweige denn welche Herzfrequenzbereiche für den Trainingserfolg positive oder negative Auswirkungen haben.

Die Bedeutung der richtigen Technik wird oft unterschätzt und von Langzeitschäden durch falsche oder fehlerhafte Techniken wollen die meisten nichts wissen. Hauptsache nach der Stunde ist man richtig platt. Die leichten Schmerzen im Knie oder in der Hüfte werden gerne ignoriert. Bei vielen Instruktoren ist nur auf eins verlass, er weiß ganz genau was zu tun ist damit die Teilnehmer richtig „platt“ sind.

IC ist einerseits so einfach, andererseits aber auch eine Sportart die es in sich hat. IC ist sicherlich eine der intensivsten Indoor-Sportarten, birgt allerdings auch ein hohes Potenzial an möglichen Langzeitschäden sowohl am Bewegungsapparat als auch am Herz-Kreislauf System.

Daher sollten wir uns an die Wurzeln des Cyclings besinnen: IC wurde vom Straßenradsport abgeleitet und durch die „Aerobic-Idee“ fitnessfähig gemacht. Anders als beim Aerobic oder Tanzen sind abwechslungsreiche Choreographien aber nicht gefragt. Die wahre Philosophie von IC heißt vielmehr: Ausdauer, Kondition und Mentale Spärke.

Ich bin immer wieder verblüfft, was alles unter dem Namen Indoor-Cycling mancherorts so veranstaltet wird.

 Laufen (Running) im stehen mit hoher Trittfrequenz (über110 rpm),

 Kniebeugen im Stehen,

 Liegestütze im Stehen/Sitzen und das ein- oder zweiarmig,

 Entfernen des Sattels bei stehender Fahrt,

 Springen (Jumpen) bei hoher Trittfrequenz (über 110 rpm).

Grundsätzlich halte ich techniken wie Jumpen, Klettern oder Running für eine Sinnvolle Trainingsart, aber bitte ausschließlich bei Bergfahrten (max 68 rpm), damit wir muskulär unterstützt werden!

Ein weiteres Problem stellt die richtige Wahl der Trittfrequenz dar. Dank der Fliehkraft und Eigendynamik der Schwungscheibe (je nach Bike zwischen 18 und 25 kg) sind selbst für Anfänger extrem hohe Drehzahlen möglich.

Heute halte ich mir vor Augen, das ich selber früher auf Tracks von SCOOTER mit ca. 160 Beats eine Flachfahrt durchgeführt habe, bei denen mir und den Teilnehmern fast die Patella-Sehne um die Ohren geflogen wäre.

Solche unnötigen und gesundheitsschädlichen „Beschäftigungs-Therapien“ sollten heute eigentlich der Vergangenheit angehören. Aber das bleibt wohl doch nur ein frommer Wusch.

Wer zum ersten mal ein Gruppe Indoor-Cycler in Aktion sieht, fragt sich unwillkürlich: Leben hier ein paar Verrückte ihren Leistungs-Fetischismus aus und kann das gesund sein? Die Frage ist oft berechtigt. Unter Instruktoren gibt es eine Marke die es immer wieder zu brechen galt. Wer schafft in einer Stunde die meisten Jumps, also der imaginären Bodenwellen, bei denen man aus dem Sattel geht. Der Instruktor mit den meisten Jumps, war der König. Nicht selten kam man auf über 1000 Jumps in 40 Minuten. Das sind knapp 25 Jumps pro Minute!

Auch das sollte heutzutage der Vergangenheit angehören. Leider ist dem nicht so. Es gibt immer noch zu viele „Instruktoren“ die diese sogenannten „HIPAC“ ( High Impact-Party-Alarma-Cyclingstunde) geben. Und nicht wenige Kursteilnehmer finden das völlig OK. Nach dem Motto, ich bin nass geschwitzt, die Beine brennen und die Musik war super, was will ich mehr.

 

Die Bikes haben sinnvoller Weise einen Stufenlosen Widerstandsregler. Jeder kann seine Belastung individuell einstellen und niemand kann sehen, mit welchen Wiederstand der andere fährt. Selbst für den Instruktor ist es nicht immer leicht zu erkennen wer keinen oder zu wenig Widerstand fährt. Das erhöht die Gefahr der Überlastung enorm. Denn beim IC könnenselbst Untrainierte unglaublich hohe Belastungen erreichen, ohne das es dem Instruktor sofort auffällt. Alleine durch schnelle Trittfrequenzen und die hohe Gruppendynamik verlieren viele das Gefühl für ihren Körper.

Nehmen wir zum Beispiel die Herzfrequenz.

Die steht in direkter Beziehung zur Trittfrequenz (RPM) und dem Widerstand (Watt). Je häufiger die Beinmuskulatur kontrahiert, desto schneller muss das Herz schlagen um dieses Musken mit Sauerstoff zu versorgen. Das gleiche Passiert bei der Erhöhung des Widerstandes. Steigt nun die Herzfrequenz mit zunehmender Trittfrequenz / Widerstand zu stark an, kann es schnell zu einer Überlastung kommen.

Bei einer Flachfahrt mit keinem oder sehr wenig Widerstand, bei 125 RPM/BPM erreichen die meisten Teilnehmer schon 85% ihrer maximalen Herzfrequenz und trainieren dann an der aerob-anaeroben Schwelle. Da nun die Muskulatur den größten Teil des Sauerstoffs benötigt, wird das Gehirn unterversorgt.

Die Folgen können sein:

 Konzentrations-und Koordinationsprobleme (beim IC kaum zu erkennen),

 Schwindelgefühl,

 Kreislaufkolapps,

 bei Herz – oder Gefäßerkrankten schlimmstenfalls Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Ansagen des Instuktors wie: „wir fahren jetzt mit einer Herzfrequenz von unter 75%“ bei einer Trittfrequenz von 140 sind im Normalfall von einem Kursteilnehmer der kein Leistungssportler ist, nie zu erreichen. Bei einer hohen Trittfrequenz mit extrem wenig oder keinem Widerstand nehmen die meisten ihre hohe Herzfrequenz kaum wahr. Die Kursteilnehmer verlieren jeden Einfluss auf die Intensität, denn es ist ihnen nicht mehr möglich durch eine Verringerung des Widerstandes ihre Herzfrequenz in einen moderaten (70-75% max HF) zu bringen. Instruktoren haben zwar keinen direkten Einfluss auf di n gefahrenen Widerstand der Teilnehmer, wohl aber auf die Trittgeschwindigkeit. Bei moderaten Trittfrequenzen ist sichergestellt, das sich niemand überlastet.

Da bedeutet aber auch, das Instruktoren nicht mehr um das Auszählen der einzelnen Tracks kommen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die Pedalumdrehungen unter 120 bleiben.

Indoor-Cycling ist und bleibt in meinen Augen die optimale Sportart um seine Ausdauer, Kondition und Mentale Stärke zu trainieren.

Man sollte eine Indoor Cycling Stunde nicht mit einem Event verwechseln, wo Instruktoren sich, sowie wie “Ihr” Ausbildungssystem vorstellen und auf die Teilnehmer keine Rücksicht nehmen.

Ich wünsche jedem Fitness-Studio, sowie seine Kursteilnehmer das sie vorne auf dem Bike einen gut ausgebildeten und verantwortungsvollen Instruktor und keinen Selbstdarsteller „sitzen“ haben.   😎 

 

Quelle. Him Self   😆 

Rudi auf einem Schwinn Bike

Rudi 2005 auf einem Schwinn Bike

3 Gedanken zu „Meine Meinung zum IC

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