Bundesrat gegen Biker

Und die Diskussionen werden nicht weniger. An dieser Stelle geht mein „Dank„ an alle die, die an ihren Maschinen den Auspuff manipuliert haben, an alle die, die Auspuffanlagen verkaufen und verbauen womit durch eine Klappe die Lautstärke verändern kann.
Danke das Ihr Ignoranten uns Motorrad Fahrer weiterhin solch einen guten Dienst erweist. 👿 

Was der Bundesrat gegen Motorradlärm fordert, ist umstritten. Und es löst nicht das Problem, dass Motorräder auf der Straße wesentlich lauter sind als in Tests.
In der Debatte um Motorradlärm stehen sich zwei Seiten unversöhnlich gegenüber: Die Anwohner, die unter Lärm leiden, auf der einen Seite. Und die Motorradfahrerinnen, die sich nicht wegen ein paar Tunern und Rasern ihr Hobby nehmen lassen wollen. Zuletzt hat sich der Bundesrat klar auf eine Seite gestellt: Er beschloss Mitte Mai eine Initiative gegen Motorradlärm. Nun muss sich die Bundesregierung entscheiden, ob und wie sie darauf reagiert.

Der Bundesrat forderte die Regierung dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass die EU-Kommission die zulässige Geräuschemission aller neuen Motorräder auf maximal 80 Dezibel (db/A) begrenzt. Soundsysteme, mit denen Biker die Lautstärke ihrer Auspuffanlage verstellen können, sollen verboten und Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglicht werden. Die Bundesregierung muss nun entscheiden, ob und wie sie auf die Forderungen eingeht. Eine Frist gibt es dafür nicht. Sicher ist: Wenn sie die Initiative ergreift, wird sie sich bei der einen oder anderen Seite unbeliebt machen.

Der Bundesrat übersieht mit seinen Forderungen gegen Motorradlärm jedoch das Grundproblem: Die Tests, mit denen die Lautstärke von Motorrädern gemessen wird, sind unrealistisch. Und die Hersteller wenden dabei offenbar Tricks an, ähnlich wie die Autoindustrie.

Unrealistische Tests

Aktuell dürfen neue Motorräder ohnehin eigentlich maximal 77 Dezibel laut sein. Das entspricht in etwa dem Klang eines Klaviers. Dieser Wert wird jedoch bei Tests ermittelt, die wenig mit der Realität zu tun haben. Die Lautstärke wird auf einer kurzen Strecke gemessen, in der die Maschine beschleunigt. Wie schnell, das wird mit einer Formel berechnet, die Leistung und Gewicht des Motorrads sowie ein normiertes Fahrergewicht berücksichtigt. Die Geschwindigkeit, bei der schließlich die Lautstärke gemessen wird, ist im Ergebnis gering: Sie liegt zwischen 35 und 40 km/h. Einer realistischen Fahrsituation mit einem Motorrad entspricht das sicherlich nicht. Doch so ist das Gesetz und damit die Maschinen legal, auch wenn sie im Betrieb lauter sind.

Der Bundesrat will nun erreichen, dass in allen Fahrsituationen und allen Geschwindigkeitsbereichen kein Motorrad 80 Dezibel überschreitet. “Das ist nur möglich, wenn die Maschinen komplett gegen Lärmemissionen abgekapselt und deshalb vollständig verkleidet sind und dann auch nicht bei hohen Autobahngeschwindigkeiten”, sagt Hermann Winner. Er ist Professor für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität Darmstadt und lehrt Motorradtechnik. Winner ist zudem Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesverkehrsministeriums und der Deutschen Verkehrswacht. Seine Meinung wird gehört. Und die ist eindeutig.

Fahrtwind lauter als Motor

Winner sagt: Bei Autos übertönen ab etwa 100 km/h Windgeräusche den Motor, bei Motorrädern sei dieser Wert wahrscheinlich etwas höher. Ab diesem Tempo verursacht der Luftwiderstand das Lärmproblem und nicht der Auspuff.

Winner sieht eine regelrechte Kampagne gegen Motorradfahrer, die Forderung des Bundesrats bestätigt ihn darin. “Solche emotionalen Offensiven machen eine sachliche Diskussion unmöglich”, sagt er. Winner hält eine allgemeine Lärmbegrenzung von Fahrzeugen für gut und notwendig, aber nicht, wenn sie isoliert gegen eine Form gerichtet ist, wie dem Motorrad.

“Es gibt beliebte Motorradstrecken, an denen an schönen Tagen viele Biker unterwegs sind und Lärm machen. Aber auch in großen Städten ist es wegen des vielen Verkehrs oft laut”, sagt Winner. Das eine verbieten und das andere tolerieren geht seiner Meinung nach nicht. Er schlägt sinnvolle Grenzwerte gegen zu laute Fahrzeuge in der Breite vor, anstatt mit individuellen Regeln und Fahrverboten eine einzelne Gruppe zu bestrafen. Stationäre sowie mobile Lärmblitzer seien eine ebenfalls erfolgversprechende Maßnahme gegen zu laute Fahrzeuge.

“Dann müssten wir den gesamten Verkehr einstellen”

Die Forderungen des Bundesrats sind für Achim Marten, Sprecher des Industrie-Verband Motorrad, “Maximalforderungen von Menschen, die Motorräder stören”. Für ihn sind die 80 Dezibel völlig unrealistisch, “denn dann müssten wir den gesamten Verkehr einstellen, weil jedes Fahrzeug ab 100 km/h lauter ist”. Marten ist überzeugt, dass nicht einmal Elektroautos und E-Motorräder diesen Grenzwert in allen Fahrzuständen einhalten können.

Nach Meinung von Marten ist die absolute Mehrzahl der Motorradfahrer mit regelkonformen Maschinen unterwegs und nur eine kleine Minderheit hat ihre Maschinen manipuliert, etwa mit illegalen Auspuffanlagen. “Die machen Lärm wie ein Presslufthammer und die Besitzer solcher Motorräder sind das Problem”, sagt Marten. Das rechtfertige aber keine Kollektivstrafe.

Diese Meinung teilt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zumindest teilweise: Fahrverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen will er nicht. Zu den anderen Forderungen des Bundesrats äußerte er sich nicht.

Die Regierung des österreichischen Bundeslands Tirol sieht das anders als Scheuer und hat bereits Fahrverbote verhängt. Die gelten ab 10. Juni bis vorerst 31. Oktober 2020 auf beliebten Strecken in den Bezirken Reutte und Imst. Betroffen sind Maschinen mit einem Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel, das betrifft eine ganze Reihe beliebter Modelle. Wer dennoch in die gesperrten Gebiete fährt, riskiert eine Strafe von 220 Euro und muss umkehren. Die Verbote gelten nicht für laute Autos oder Lkw.

Schummelsoftware manipuliert Testergebnisse

Der Sprecher der Vereinigten Arbeitsgemeinschaft gegen Motorradlärm, Holger Siegel, hält das kategorische ‘Nein’ der Motorradindustrie zur Begrenzung auf 80 Dezibel für eine Ausrede: “Das ist wie damals, als sich die Fahrzeugindustrie vehement gegen die Einführung des Katalysators gewehrt hat. Ich sage: probiert es doch erst einmal!”

Für Siegel sind Klappensysteme in den Auspuffanlagen die Hauptursache für zu laute Motorräder. Laut Motorradindustrie sind sie technisch notwendig für den Motor. Siegel sieht darin lediglich eine Vorrichtung, um die Maschinen lauter zu machen. “Wenn für die Zulassung neuer Modelle die Lärmemission gemessen wird, schließen die Klappen und die Motorräder liegen sehr weit unterhalb des vorgeschriebenen Maximalwertes”, sagt der Lärmgegner. Außerhalb des Testzyklus öffneten sich die Klappen, gesteuert von einer Software, und machten die Maschinen richtig laut.

Bei Maschinen über 500 Kubikzentimeter Hubraum werden Siegel zufolge heute in fast allen Motorrädern diese Schummelsysteme verbaut. “Solche Systeme gibt es seit etwa 15 Jahren und so lange schon schauen und hören die Verantwortlichen weg”, sagt Siegel. Das alles erinnert sehr an die Tricks der Autoindustrie, um für ihre Pkw in Tests unrealistisch niedrige Emissionen zu erreichen.

Die Schwachstelle am Bundesratsvorschlag ist für Siegel, dass er keine Maßnahmen für die 4,5 Millionen bereits in Deutschland zugelassenen Motorräder vorsieht, sondern nur für Neuzulassungen. Selbst wenn die Forderungen Gesetz werden, würde es deshalb Jahrzehnte dauern, bis der Motorradlärm spürbar zurückgeht. Und der Streit zwischen Anwohnerinnen und Bikern endlich beigelegt werden kann.

Quelle: Zeit.de

7 Gedanken zu „Bundesrat gegen Biker

    • Leider werden es nicht weniger. Hier MUSS etwas geschehen. Aber nicht alle über einen Kamm scheren. Legt diese zu lauten illegalen Kisten still!.

  1. Was du überlesen hast: Die Maschinen sind alle legal. Legal laut. Über 90 dB(A) (Fahrgeräusch außerhalb der synthetischen Testkonstruktion) sind zulässig und auch häufig der Fall – je nachdem wie man die rechte Hand unter Kontrolle hat (oder haben will). Genau das ist das eigentliche Problem (Klappe bzw. elektronische Helferlein, welche diese bedienen).

    Sinn macht es sogar auch das sie Klappen haben. Schließlich braucht jeder zur Überquerung der Alpen eine Reiseenduro, welche 220 km/h schnell fahren kann. Also die übliche Reisegeschwindigkeit auf allen Alpenpässen in Österreich und der Schweiz und evtl. auch noch in Frankreich (da war ich noch nicht, kann ich also nix zu schreiben). 😉

    Spaß beiseite: Die maximal 74 kW waren ein guter Weg und wurden dann ja gekippt. Ja, die Fahrwerke wurden besser. Ja, die Bremsen auch. Ja, die Helferlein ebenfalls. Aber wäre weiterhin bei den “magischen 100 PS” Schluss, man bräuchte die ganze Klappenarbeit nicht…

    jm2c finden sich im Kommentarbereich zur Tiroler Regelung in meinem Blog wieder: https://www.600ccm.info/1/200529/Fahrverbote_f%C3%BCr_laute_Motorr%C3%A4der_-_Tirol_schafft_Fakten

    • Servus X_Fish, nein das die Dinger legal sind habe ich nicht überlesen. Ich habe mich ja auch extra bei denen Bedankt. Es gibt natürlich ganz neue Motorräder (auch PKW`s) wo diese Dinger verbaut sind. Ich verstehe nicht wieso werden diese Dinger zugelassen? Um dann später ein Gesetz durchzusetzen das genau gegen diese lauten Dinger ist? Kapier ich nicht. Aber so oder so, wir Motorradfahrer stehen wieder voll in der Diskussion 🙁

    • Ich habe irgendwie das Gefühl das jetzt wo Corona (vorerst) als Thema abebbt einfach der Sommer samt dazugehörigem Sommerloch früher kommt und daher die sonst üblichen Sommerthemen so manche in der Politik beschäftigen – warum auch immer.

      Was Tirol gemacht hat ist natürlich (ähnlich wie das „ihr bleibt im Stau auf der Autobahn stehen“-Management) ein großer Vorstoß.

      Warten wir ab was daraus werden soll.

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