Diagnose Krebs – Und plötzlich ist alles anders

Nun werde ich bald 63 und mein Leben lief in ganz normalen Bahnen. Familie, Beruf, Hobbys, sodass ich mehr als zufrieden mit meinem Leben war.

Bis im Dezember 2019 bei einer Routine Untersuchung der Satz „Ihre Prostata ist vergrößert „fiel.  Aber die Größe ist für ihr Alter normal, der PSA-Wert war aber auf 11 erhöht, was nicht normal ist. In 3 Monaten werden wir das nochmal kontrollieren.

Durch Corona war der Zeitplan nicht zu halten und ich wurde erst Mitte April 2020 erneut untersucht. Auf den Ultraschall waren nun 2 Stellen zu sehen die nach Aussage von meinem Arzt Kalkablagerungen sein könnten, aber das soll sich ein Urologe ansehen.

Einen Termin bekam ich schon eine Woche später, Ultraschall und eine rektale Untersuchung folgten. Ja da fühle ich etwas, das da nicht sein sollte. Ich würde bei ihnen eine Biopsie vorschlagen. Die Biopsie war wieder knapp eine Woche später. Auch auf das Ergebnis musste wieder knapp eine Woche gewartet werden.

Das Ergebnis der Biopsie teilte mir mein Arzt am Telefon mit, während ich auf der Arbeit war und brachte mich einer Ohnmacht nahe.

Prostata Krebs. Nur 2 Worte die mein Leben komplett ändern sollten. Mein langjähriger Arbeitskollege Waldemar merkte natürlich sofort das was mit mir nicht stimmte. Ich bekam die 2 Worte gerade noch raus, da nahm er mich in den Arm und sagt: Mensch Alter, das schaffst du, du bist stark.

Gutgemeinte liebe Worte, die aber kaum zu mir durchdrangen. Ich weiß nicht mehr wie ich es geschafft habe an diesem Tag bis zum Feierabend in der Firma zu bleiben, auch wie ich nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr.

In den Armen meiner Frau konnte ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen und habe bitterlich geweint.

Nun gibt es etwas in meinem Leben, das ich nicht will und trotzdem kann ich es nicht ändern. Das machte mich wütend.

Mein Urologe rät mir zu einer kompletten Entfernung der Prostata, weil ich für Strahlentherapie oder ähnliches zu jung wäre. Aber vorher muss noch ein Skelett-Scan gemacht werden, um zu sehen, ob der Krebs gestreut hat.

Wieder eine Woche warten und dem Ergebnis entgegenfiebern. Der Scan verlief gut, keine Metastasen. Den OP Termin bekam ich für den 14.07.2020.

Natürlich musste auch hier wieder eine Untersuchung im Vorfeld gemacht werden. Am OP Tag war ich um 06:00 in der Klinik, anmelden und dann ging es auch schon los, OP Vorbereitung.

Kurz vor der OP bekam ich noch kurz Besuch von einer lieben Bekannten, Hannah arbeitet in dem Krankenhaus als Narkoseärztin. Meine OP hat sie nicht begleitet, aber sie hat nach mir sehen wollen und mir alles Gute gewünscht.

Dann ging es auch schon los und die Narkose wirkte. Als ich wieder zu mir kam, war ich schon auf den Weg in „mein“ Zimmer.

Ein Drei Bett Zimmer, die Betten standen etwas durcheinander, wegen Corona. Vom restlichen Tag weiß ich nicht mehr viel, weil ich immer wieder eingeschlafen bin.

Zwar hatte ich starke Schmerzen, aber die Müdigkeit war größer. Ich bekam auch über Nacht genug Schmerzmittel damit ich schlafen konnte.

Am 15.07.2020 bekam ich morgens Schmerztabletten und Professor F. besuchte mich. OP ist sehr gut verlaufen, es sind auch noch ein paar Tumore zusätzlich entfernt worden. Aber alles ist gut gegangen.

Ein paar Stunden später bekam ich noch kurz Besuch von meiner Bekannten Hannah. Auch sie sagte, dass alles gut verlaufen ist. Was ich aber da erst erfahren habe, ist die Tatsache das die OP 4 ½ Stunden gedauert hat. Das liegt wohl daran, dass ich nach der Da Vinci Methode operiert worden bin. 

Hier ein kleiner Film zu der Op mit DaVinci

Mittwoch der 15.07 verlief zunächst noch in normalen Bahnen. Frühstück, Visite usw. Doch ganz plötzlich merkte ich das irgendetwas nicht stimmt, ich bekam  Schweißausbrüche, mir wurde schlecht, ich hatte Luftnot und das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen.

Nachdem ich nach der Schwester geklingelt hatte, benachrichtigte sie einen Arzt und dann ging alles sehr schnell. Ich wurde zum CT gefahren, dort stellte man eine Lungenembolie fest.

Die Worte von dem Arzt im CT werde ich nie vergessen.

„Dass Sie noch leben, ist nicht der Verdienst von uns Ärzten, sondern das hat der da Oben entschieden“.

Als ich nach einigen Sekunden begriff wen er mit „der da Oben“ meinte, stieg eine wahnsinnige Panik in mir hoch, ja sagte er noch, sie werden wohl immer hochdosierten Blutvedünner nehmen müssen, aber mindesten 6 Monate sehr hochdosiert und dann werde man weitersehen.

Ich war kurz davor in Ohnmacht zu fallen, doch eine weitere Untersuchung stand an, Herz-Ultraschall auch hier ging es mit den schlechten Nachrichten weiter. Allerdings war der Arzt hier feinfühliger. Er zeigte mir auf dem Bildschirm das mein Herz sehr stark pumpen müsse und dadurch etwas undicht an einer Klappe wäre. Ist zwar nicht so schlimm im Moment, man sollte es aber beobachten.

Nun lag ich da alleine auf dem Flur und wartete das ich abgeholt würde. Da war für mich schon klar, dass ich das Krankenhaus nicht mehr lebend verlassen würde. Ich würde meine Frau und meine Kinder nicht wiedersehen. Mir wurde es nun richtig übel.

Ab sofort bekam ich hochdosierte Thrombose Spritzen. Morgens und abends wurde ich gespritzt. Durch diesen Blutverdünner wollten meine Wunden nun aber nicht mehr ​heilen, eher das Gegenteil trat ein. Mein Bauch färbte sich innerhalb eines Tages vom Schambein bis unter den Rippen, von links nach rechts in ein ganz dunkles schwarz.

Es folgten viele Tage an denen ich unglaubliche Schmerzen hatte. Durch Corona dufte ich auch keinen Besuch empfangen, auch meine Frau durfte mir nicht zur Seite stehen. Wir haben viel telefoniert, geweint und ich war froh das mein Smartphone wasserdicht ist.

Die Krankenpfleger/innen spülten im Stunden-Rhythmus meine Blase aber es wurde nicht besser.

Nach 4-5 Tagen hatte wohl einer der Ärzte die Idee bei mir einen anderen Katheder einzusetzen und siehe da, die Schmerzen ließen langsam nach.

Dieser Katheder blieb ca. eine Woche drin, mein Urin färbte sich langsam von Blut rot in Urin gelb. Es gab aber immer noch ab und zu Tage an denen meine Blase mit einer großen Spritze „abgesaugt“ wurde denn es sammelten sich immer wieder sehr große Blutpfropfen sogenannte Koagel. Diese Koagel setzten sich vor meine Harnröhre und dann ist nichts mehr mit Pippi machen.

Aber nach knapp einer Woche war ich den Katheder los, ich konnte 24 Stunden zur Toilette ohne das sich meine Harnröhre zusetzte.

Und so konnte ich am 31.08.2020 das Krankenhaus verlassen und endlich nach Hause. 😛 

Leider ging meine Reha Maßnahme schon am 04.08.2020 los. Ich hatte da gar keine Lust drauf, aber was muss, das muss.

Nun bin ich schon eine Woche in Reha und muss sagen, alles super. Ich habe jeden Tag 2-3 Beckenbodengruppen, wobei doch jeder weiß das Männer keinen Beckenboden haben 😉

Nee Quatsch, ich habe echt viel gelernt und kann meinen Beckenboden tatsächlich spüren und trainieren.

Einmal am Tag habe ich dann noch Atemgruppe oder Progressive Muskelentspannung. Hinzu kommen dann noch psychologische Gespräche, oder das ein oder andere Seminar Krankheit und Psyche.

Im Moment habe ich ein sehr gutes Gefühl, das ich am Ende meiner 3 Wochen Wieder auf mindestens 80% meiner Leistung bin.

Haltet mir die Daumen, das es mit der Reha weiterhin so gut läuft. 

60 Gedanken zu „Diagnose Krebs – Und plötzlich ist alles anders

  1. Halte grad die Luft an …
    Rudi, ich wünsche Dir alles Gute und baldige Genesung. Du hast recht: Aufgeben gilt nicht, dazu ist das Leben zu schön. Ich drücke Dir beide Daumen!
    Die allerbesten Grüße und Wünsche aus Regensburg!

  2. Oh Rudi, das tut mir alles sehr leid, was du durchmachen musstest. Ich wünsche dir gute Besserung und eine erfolgreich Kur. Alle meine Daumen sind gedrückt 🍀🍀🍀🍀
    Liebe Grüße sk

  3. Hallo Rudi,

    da bekommst Du einen Befund, den kein Mann haben möchte !
    Du hast viel durchgemacht und das Leiden wird Dir körperlich genommen, aber Deine Seele wird Zeit Deines Lebens weiter leiden. Du wirst in Dich horchen und bei auch nur noch so kleinem Pieksen wirst Du Dich fragen: Geht es schon wieder los und was ist DAS ?

    Ersteinmal wünsche ich Dir und Deiner Familie jede Menge Kraft, diese Eingriffe in Körper und Seele durch zu stehen.
    Ich hoffe, es geht bei Dir ständig bergauf und Du wirst wieder vollständig gesund.

    Gute Besserung und eine schnelle Genesung wünscht Dir von Herzen aus Berlin,

    verbunden mit einem ganz lieben Gruß,

    Jochen!

    • Danke Jochen. Du hast sicher recht, ich horche jetzt schon bei jeden quer sitzenden Pups in mich rein. 🙁

  4. Lieber Rudi, ich wünsch dir alles Gute. Sei zuversichtlich, dass alles wieder halbwegs in Ordnung kommt. Ganz bekommt man das Anhängsel Krebs nicht mehr los. Ich weiß es persönlich. Aber man kann lernen damit zu leben. Von Herzen die besten Wünsche, Glaube an deine eigene Kraft. Ganz Liebe Grüße Annemarie & Stefan

    • Ich bin zuversichtlich liebe Annemarie und lieber Stefan. Ich Danke euch

  5. Das Like habe ich ganz bewußt nicht angeklickt. Ich habe Deinen Bericht ganz gelesen und kann nur sagen Kopf hoch und durchhalten. Das sagt sich so leicht, aber der Wille ich jetzt wichtig. Ich habe vor so etwas auch mächtig Angst. Die ist jetzt noch größer geworden. Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir non ganzem Herzen … gute Besserung.
    LG Jürgen

    • Hallo Jürgen, danke für deine lieben Wort. Angst vor einer schweren Krankheit haben wir wohl alle. Aber immer dran denken bringt auch nichts. Ich denke wenn wir regelmäßig zum Doc (ja auch wir Männer) gehen, ist die Chance groß das es nicht solche Ausmaße annimmt wie bei mir. Ich hatte einfach Pech.

  6. Auch von mir alles Liebe und Gute lieber Rudi. Nütze die Kraft der positiven Gedanken und den Glauben daran, dass du noch viele glückliche Jahre vor dir hast. Wie der Doc gesagt hat, deine Zeit ist noch nicht gekommen. Liebe Grüße aus München Petra

    • Danke liebe Petra. Ich glaube ganz fest an dem was der Doc gesagt hat. 🙂

  7. Hallo Rudi, oh mein Gott! Ziemlich starker Tobak, was du da simpel schreibst und eigentlich ein Albtraum, den du da erlebt hast, aber du hast bis hierher alles überlebt und überstanden und du wirst das meistern, wenn du willst. VIEL KRAFT wünsche ich dir und immer stark bleiben. Grüße Sigrid

  8. Das tue ich, lieber Rudi. Ich wünsche dir, dass du ganz schnell wieder hergestellt bist und bald wieder auf dein Motorrad steigen kannst. Weiterhin gute Genesung wünscht dir
    Reni

    • Danke liebe Reno. Ein bisschen Entzug auf Motorrad fahren habe ich schon. Aber das wird schon 🤘👍

  9. Puh, da hast du viel mitgemacht! Ich wünsche dir weiterhin gute Genesung und gutes Kräfte sammeln in der Reha. Auch ich drücke mit die Daumen. Liebe Grüße, Marion

  10. Liebe Rudi, da hast du ja Schlimme durchgemacht. Vor zehn Jahren, da war ich 69, hatte ich die gleiche Diagnose und die Prostata wurde entfernt. Zum Glück hatte ich nicht so schlimme Folgen, wie es bei dir passiert ist. Aber nun scheint ja Gott sei Dank alles wieder im grünen Bereich zu sein. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei der Reha, ganz wichtig, trainiere auch anschließend unentwegt deinen Beckenboden, ich war da leider etwa nachlässig. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Wolfgang

    • Hallo Wolfgang, oh ja ich bin froh das es mir wieder besser geht. Und da ich nun meinen Bevkenboden kenne 😉 werde ich ihn auch weiterhin trainieren 💪

  11. Lieber Rudi,
    ich bin auch froh, dass es Dir wieder besser geht. Und wenn der da „Oben“, laut Arzt half, wird Er sich schon was dabei gedacht haben, Du wirst gebraucht und darfst nicht gehen. 🙂 Welch eine Freude, dass Du all diese Schocks einigermaßen überstanden hast. Ich wünsche Dir baldigst, die vollkommene Genesung und bin froh, dass da liebevolle Menschen an Deiner Seite sind.
    Segensreiche Grüße
    Luxus

  12. Lieber Rudi,
    es war die richtige Entscheidung, die Prostata entfernen zu entfernen zu lassen. Jetzt holt sich Dein Körper die Zeit zur Genesung und diese Zeit und Aufmerksamkeit musst Du ihm auch lassen. Keiner von uns kann gegen Krebs “kämpfen”. Leider muss man seine Krankheit annehmen und damit leben. Aber, man sollte für sich einen Raum finden, an dem die Krankheit keine Rolle spielt. Einen Bereich, in dem man einfach nur lebt und sein Leben auch genießt. Dir wünsche ich noch viele unbeschwerte Saisons auf Deinem Motorrad. Irgendwann ist natürlich für uns alle Schluss. Aber bis dahin hat es noch ein bisschen Zeit. Viele liebe Grüße an Dich und an Deine Familie!

    • Danke für deine lieben Worte. Ja irgendwann ist für uns alle Schluss, aber bis es so weit ist……. soll es gaaaanz lange dauern.

    • Danke Bernhard. Mir geht es im Moment aber wieder ganz gut. Ich bin gerade bei 82% vom alten Rudi 💪

  13. Lieber rudi,
    meine guten Wünsche sind mit dir.
    Alles was du brauchst um gesund und glücklich zu sein soll dir geschenkt werden.
    Gottes Schutz, Segen und Beistand. Du siehst Rudi, dass es „bergauf“ geht.
    … von Herz zu Herz … Segen!
    M.M.

  14. Hallo bester Trainer..

    Dein Bericht hat mich geschockt… hörte sich auf WhatsApp nicht so tragisch an… Halte durch .. die Reha ist fast zu Ende.. und werde wieder fit…
    Wir können sich ab 01/2021 unser Dasein geniessen und vielleicht ja mal nen Ründchen drehen mit unsren Sferas… wenn ich meine wieder fertig habe… ich hab ja dann auch Zeit… 🙂
    Halt Dich tapfer und werd wieder gesund…

    Gruß Hermi..:-)

    • Jo Hermi mein Freund. Ich werde wieder fit, ich arbeite hart daran. Ne Runde mit den Sferas wird nicht gehen, da ich meine Verkauft habe und mir eine PK 50 XL mit 4 Gang Handschaltung gekauft habe. Auch ein sehr cooles Gerät. Gruß Rudi

  15. Lieber Rudi,
    so etwas zu lesen haut mich echt vom Hocker…….
    Ich wünsche Dir von Herzen das Du bald wieder fit bist.
    Vor allen Dingen wünsche ich Dir und Deiner Familie die Kraft dieses Schicksal gut zu überstehen. In so einer Situation ein paar Menschen zu haben die einem zur Seite stehen ist ganz wichtig. Es gibt Dir dann auch die Kraft weiter zu kämpfen.
    Ich drücke Dir die Daumen das Alles gut wird.
    Liebe Grüße, Christel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.